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Fischereiverband des Kantons St. Gallen

Leserbrief Fischereizentrum Steinach (1)

Im Zusammenhang mit der Ablehnung des neuen Fischereizentrums in Steinach wurde ein Leserbrief verfasst.

Leserbrief Fischereizentrum Steinach (1)

Der Leserbrief wurde an folgende Zeitungen verschickt:

-St.Galler Tagblatt
-W&O
-Sarganserländer
-Vaterland
-Petri-Heil
 
 

Geohrfeigte Fischerei

Im Februar scheiterte die Vorlage für den Neubau eines Fischereizentrums in Steinach, an einer Stimme im Kantonsrat St.Gallen. Eine zünftige Ohrfeige für uns Fischer. Insbesondere deshalb, weil die Vorlage in erster Lesung mit solider Mehrheit gutgeheissen wurde. Als Fischer ärgere ich mich masslos über die Geringschätzung gegenüber uns Fischern und gegenüber dem Artenschutz. Es zeigt sich einmal mehr, dass wenig Verständnis für den Artenschwund vorhanden ist. So sind aufgrund von Gewässerverbauungen und übertriebener Wasserkraftnutzung (95% der Gewässer sind genutzt in der Schweiz!) drei Viertel unserer Fischarten ausgestorben oder bedroht. Über 90% unserer Flussauen haben wir verloren! Auch deshalb wird heute die Revitalisierung der Fliessgewässer per Gesetz vorgeschrieben. Es gilt die Lebensbedingungen der Fische in erster Priorität zu verbessern, bis diese sich wieder selbst fortpflanzen und ihre Bestände erhalten können. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Bis dahin müssen Fischereizentren mit Zuchtanlagen den  ausgedünnten Beständen seltener Fischarten wie jenen der Äsche, Seeforelle, Nase, Bachforellen, Seesaiblingen und Felchen unter die Flossen greifen.  

Die kantonalen Behörden sind übrigens gemäss Bundesgesetz über die Fischerei und das kantonale Fischereigesetz dazu verpflichtet, „..die natürliche Artenvielfalt und den Bestand einheimischer Fische, Krebse und Fischnährtiere zu erhalten, zu verbessern oder nach Möglichkeit wiederherzustellen“. Die kantonalen Vollzugsbehörden können ohne Fischereizentrum deshalb dem gesetzlich geforderten Artenschutz nicht nachkommen. Die Behörde kommt mir aktuell vor wie ein Bäcker ohne Mehl. Das Scheitern der Vorlage ist nicht nur ein Affront gegenüber den Fischern und unserer bedrohten Artenvielfalt, sondern auch gegenüber der Fischereibehörde, welche sich seit Jahren für lebendige Gewässer einsetzt. Das Fischereizentrum Rorschach leistet übrigens einen zentralen Beitrag an der Arterhalt der Fische in den meisten Gewässern des Kantons – nicht nur lokal. Ohne diesen Beitrag wären vermutlich die Aeschen schon längt aus dem Einzugsgebiet der Thur verschwunden. Die Thur ist eines der wenigen Schweizer Gewässer mit einem Äschenbestand von nationaler Bedeutung, der allerdings seit Jahren schrumpft. Kurz, ohne Fischereizentrum ist die Bestandessicherung stark bedrohter Fischarten akut gefährdet. Es ist halt schon schade, dass der Artenschwund nicht stinkt, sonst wäre die Abstimmung ganz anders ausgefallen. 



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